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Entstehung

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war Weissenbach unter dem Namen Werdolcwile oder Werdenswil bekannt. Der Ort bestand aus der Mühle am Weissenbach, diese gehörte zur Gemeinde Buttwil und somit zum Amt Muri. Der nördlich anstossende Steckhof Werdenswil, der Kelnhof war dem Amt Boswil zugehörig.

Sägeaufträge

Die Mühle war im Laufe des Jahres unterschiedlich ausgelastet. Durch die Säge konnten die flauen Zeiten überbrückt und so die Wasserkraft besser genutzt werden. Die Wyssebacher Sagi schnitt für die Bauern der näheren und ferneren Umgebung Nutz- und Bauholz. Der bedeutendste Kunde war aber das Kloster Muri. Aus den Zinsbüchern geht hervor, dass grössere Posten nicht nur gesägt, sondern zum Teil auch in den Klosterwaldungen gerüstet, auf die Säge geführt und aufgrund von Holzlisten der Klosterverwaltung gesägt wurden.

Bedeutung der Sagi:

Anlagen wie die Wyssebacher Sagi hatten über Jahrhunderte eine wichtige Bedeutung für die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Lebendigkeit des ländlichen Raumes. Mit lokalen Ressourcen lokale Bedürfnisse abzudecken war in Zeiten beschränkter Mobilität eine schon fast überlebenswichtige Strategie. So sind noch in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts in den Buchhaltungen der Betreiberfamilie bis zu 120 Kunden aufgeführt, welche die Dienste der Sagi als Schnittholzkäufer in Anspruch nahmen oder als Kunden, die eigenes Holz im Lohn verarbeiten liessen. Mit der Industrialisierung der Holzverarbeitung und den immmer grösseren und schnelleren Möglichkeiten des Warentransportes fielen tausende solcher kleingewerblicher Anlagen dem Renditedenken und der Effizienz zum Opfer und verschwanden zum grossen Teil von der Bildfläche. Objekte, die nicht dem völligen Zerfall überlassen wurden, sind heue eine Rarität und ihre Restaurierungen können als Glücksfall bezeichnet werden.

Ihre heutige Bedeutung verdankt die Sagi einer neuen Sensibilität gegenüber Objekten, die einen realistischen und nachvollziehbaren Einblick in frühere Arbeits- und Lebenswelten ermöglichen. Von der Landschaftsgestaltung über die Energienutzung bis hin zu wirtschaftlichen, sozialen und letztlich kulturellen Aspekten ländlicher Lebensgestaltung können anhand der Sagi interessante, durchaus auch zukunftsweisende Erkenntnisse vermittelt werden.

 

Wasserrecht

Im Erblehensvertrag ist auch die Nutzung der Gewässer «mit aller Ehhafty und Rechtung» d. h. mit den von Lehensherrn gewährten Nutzungsrecht samt Baurecht für die nötigen Betriebsanlagen vermerkt. Die Bauern machten aber den Müller das Ehhafte Wasserrecht immer wieder streitig. Auch mit den Behörden gab es um dieses Wasserrecht immer wieder Streit. Die Sagi, wie auch die Mühle haben eine bewegte Vergangenheit, erbrachten aber zusammen mit dem Getreidehandel auch in schwierigen Zeiten gute Erträge. Bis Mitte der neunziger Jahre war die Sagi ein Nebengewerbe des historischen Mühlenhofes. Gebäude und Einrichtungen waren aber baufällig geworden, so dass die Säge nur noch unter schwierigen Bedingungen zu betreiben war. Um dieses gewerbliche Kulturprojekt aus vorindustrieller Zeit der Nachwelt zu erhalten, wurde der Verein Wyssebacher Sagi gegründet, der die Renovation der Sagi möglich machte.